Rezension | Du wolltest es doch und Jeder von uns ist ein Rätsel


In der letzten Zeit habe ich mich ja ein bisschen rar gemacht. Nun habe ich aber einige Rezensionen und Posts, die ich euch in den nächsten Tagen und Wochen nicht vorenthalten möchte. Los geht es mit zwei Rezensionen zu Büchern, die zum Einen schon so ziemlich in aller Munde sind/waren und zum Anderen einigen Diskussionsbedarf mit sich bringen: Jeder von uns ist ein Rätsel und Du wolltest es doch.


Jeder von uns ist ein Rätsel | A.J. Steiger | Carlsen Verlag | HC | 400 Seiten | 18,00€ | ✼✼✼

Klappentext
Andere Menschen zu verstehen ist für Alvie eine Herausforderung. Ihr Lieblingsbuch ist die Kaninchensaga "Unten am Fluss" und richtig wohl fühlt sie sich nur in ihrem Job im Zoo, bei den Tieren. Doch als sie Stanley kennenlernt, ist alles anders: Er interessiert sich nicht nur für Quantenphysik wie sie, sondern ist auch unendlich geduldig. Aber auch Stanley fällt es schwer, sich zu öffnen. Und es ist ein langer, zum Teil sehr komischer, manchmal trauriger und wunderschöner Weg, der sie am Ende zusammenbringt - zu so etwas Ähnlichem wie Glück. 

Meine Meinung:
Anders als beim letzten Buch, fällt es mir hier nicht so leicht eine Rezension zu verfassen, weil ich gefühlt einfach nicht besonders viel dazu zu sagen habe.
Alvie ist ein schwieriger Charakter, was für mich als wohl neurotypischen Menschen daran liegt, dass ich persönlich einfach nicht nachvollziehen kann, wie das Leben als Autist (in diesem Falle Asperger) ist bzw. welche Beweggründe zu welchen Verhaltensmustern führen. Wobei man hier ganz deutlich sagen muss, dass sie in keine Kategorie eingeteilt werden möchte. Auch, wenn es ihr ggf. Vorteile brächte, möchte sie als Mensch wie jeder andere anerkannt werden, was für mich sehr stark war. Sie such nach Emanzipation und ist eine durchaus starke Protagonistin. Trotzdem fehlte mir aber, wenn ich ehrlich bin, ein gewisser Bezug zu Alvie. Versteht mich nicht falsch, ich finde es großartig, dass das Thema so und nicht irgendwie romantisiert betrachtet wurde, aber dieser fehlende Zugang zur Protagonistin machte es mir nicht ganz einfach.
Auch Stanley ist sehr eigen. Ihn konnte ich besser, aber noch lange nicht gut verstehen. Stanley ist ebenfalls anders, denn er hat Osteogenesis imperfecta (eine Erberkrankung, bei der Knochen nicht so gebaut sind, wie sie es sollten, weshalb sie sehr schnell brechen etc.). Ich fand es spannend über diese Erkrankung zu lesen, denn abgesehen von in Lehrbüchern, habe ich sie noch nirgendwo zuvor entdeckt. Allerdings fand ich es irgendwie schade, dass Stanley auch "anders" sein musste. Es wirkte für mich beim Lesen so, als könnte nur jemand, der selbst aus medizinischen Gründen eingeschränkt am Alltagsleben teilnehmen kann, einen Menschen wie Alvie liebgewinnen.
Davon abgesehen gibt es noch einen Handlungsstrang, der mir ein wenig gegen den Strich ging, den ich aber ohne Spoiler nicht weiter ausführen kann.
Der Schreibstil ist relativ unauffällig (wie gesagt, das ist in meinen Augen nichts schlimmes), spiegelt aber immer ganz gut Alvie aktuellen State of Mind wieder. 
Fazit
Was Jeder von uns ist ein Rätsel sehr gut herüber bringt, ist die Art und Tragweite, wie die Gesellschaft einzelne Individuen ausschließen kann. Diese nachdenkliche Message ist ein ganz großes Plus! Trotzdem konnte das Buch für mich nicht so sehr aus der Menge herausstechen. Es ist eine nette Liebesgeschichte mit einigen besonderen Elementen, aber leider nicht ganz so besonders, wie ich es mir von der Geschichte erwartet hätte.

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Andere Meinungen zu diesem Buch
Bunte Worte | Lovin' Books | Piglet and her Books




Du wolltest es doch | Louise O'Neill | Carlsen Verlag | HC | 368 Seiten | 18,00€ | ✼✼✼✼

Klappentext
Emma ist hübsch und beliebt, die Jungs reißen sich um sie. Und sie genießt es, versucht, immer im Mittelpunkt zu stehen: Das Mädchen, das jeden Herum kriegt. Bis sie nach einer Party zerschlagen und mit zerrissenem Kleid vor ihrem Haus aufwacht. Klar, sie ist mit Paul ins Schlafzimmer gegangen. Hat Pillen eingeworfen. Die anderen Jungs kamen hinterher. Aber dann? Sie erinnert sich nicht, aber die gesamte Schule weiß es. Sie haben die Fotos gesehen. Ist Emma wirklich selber schuld? Was hat sie erwartet - Emma, die Schlampe in dem ultrakurzen Kleid?  

Meine Meinung:
Puh, ehrlich gesagt weiß ich nicht so ganz, wie ich meine Gefühle zu diesem Buch in Worte fassen können soll. Es ist brutal, ehrlich, erschütternd... Aber gut, ich versuche mal ein wenig rationaler an es heranzugehen, denn ich habe manchmal die Befürchtung, dass meine Rezensionen zu schwammig werden, wenn ich nicht ein wenig Abstand von der Thematik für die reine Bewertung nehme.
Fangen wir an mit dem Schreibstil: Louise O'Neill schreibt sehr authentisch. Ich habe ihr die Rollen, ihr Verhalten und ihre Sprache zu 100% abgenommen, es wirkt nicht aufgesetzt, verzerrt oder gekünstelt. Ansonsten hat sich nichts besonders in mein Gedächtnis eingebrannt, was aber ein eher positives Zeichen ist, denn so lenkt z.B. keine seltsame Formulierung vom eigentlichen Inhalt ab.
Dieser benötigt es dabei auch überhaupt nicht, überkandiert präsentiert zu werden. Im Gegenteil: Themen, wie Vergewaltigung, Slut-shaming (wobei ich sagen muss, dass mir dieser Begriff ganz übel aufstößt), Mobbing und psychische Belastung/Erkrankung sind eigentlich in unserem Alltag überall zu finden und dennoch unglaublich tabuisiert. Umso wichtiger ist es, dass darüber berichtet wird. Und wenn es schon in Nachrichten und Co. sehr unterrepräsentiert ist, ist ein Roman ein denkbar günstiges Alternativmedium. Das für mich Besondere an Du wolltest es doch, was es auch von anderen Büchern ähnlicher Thematik abgrenzt (zumindest der Bücher, die ich kenne), ist die Neutralität, mit der die Geschichte erzählt wird. Emma ist eine unfassbar unsympathische Protagonistin und so manches Mal hätte ich sie gerne geschüttelt oder ihr ihr eigenes Verhalten einmal aufgezeigt. Und auch, wenn sie ein Mädchen ist, dass ich garantiert niemals als Freundin haben wollte, schaffte das Buch es in mir sehr viel Mitgefühl hervorzurufen. Nach der schrecklichen Party ändert sich ihr Leben nach und nach immer weiter zum Schlimmeren und man kann als Leser kaum glauben, was für hässliche Fratzen andere Menschen haben können. Diese Perspektive war für mich sehr viel wert. Das Vergewaltigung und Co ein furchtbares Verbrechen sind und eine Person NIE etwas dafür kann, sollte jedem bewusst sein (auch wenn das natürlich fast schon utopisch ist). Dass hier also nicht der didaktische Zeigefinger aus dem Buch herauszeigt, war in meinen Augen ein großer Gewinn für ein Buch wie dieses.
Fazit
Du wolltest es doch war für mich ein Buch, dass man nicht so schnell vergisst, dass zeigt, wie vielseitig schlecht Menschen sein können und das, ehrlich gesagt, nicht wirklich viel Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft lässt. Aber vielleicht brauchen wir auch manchmal einen solchen brutalen Dämpfer, um eigene Verhaltensmuster zu überdenken. Alles in allem eine klare Leseempfehlung, wenn man mit den genannten Themen umgehen kann.

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Andere Meinungen zu diesem Buch

Vielen Dank an den Carlsen Verlag für diese beiden Rezensionsexemplare!

Kommentare

  1. Liebe Mareike,

    erstmal fange ich damit an, wie Zucker ich deine Hoppel-Häschen sind. Da kommen bei mir richtig Erinnerungen an meine alten Zwergkaninchen hoch.

    Zu den Rezensionen. Zu "Du wolltest es doch" habe ich unzhlige Rezensionen gelesen, aber mir das Buch nie angeschafft. Ich finde jegliche Meinung zu der Thematik interessant und wichtig, allerdings mag ich selbst nicht unbedingt darüber lesen bzw. habe ich sogar ein wenig Angst davor.

    "Jeder von uns ist ein Rätsel" hatte ich nicht wirklich auf dem Schirm, aber ich kann deine Argumentation nacvollziehen. Magellan hatte ein schönes Buch, in dem ein Junge mit Asperger und ein "normales" Mädchen zueinander finden. Es war goldig. Vielleicht sagt dir "Eine Checkliste zum Verlieben" etwas.

    Liebe Grüße
    Tina

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    1. Huhu Tina,

      dieses Buch kenne ich tatsächlich noch nicht, sollte ich mir vielleicht mal merken :) Und das mit "Du wolltest es doch" kann ich komplett verstehen. Ich finde, gerade in Sachen Hobbys sollte man nur das machen, womit es einem gut geht und dann eben auch klar sagen können, das ist nichts für mich. (Das ist auch ein Teil, warum ich The Hurting abgebrochen habe).
      So, mal schauen, ob mein Kommentar dieses Mal stehen bleibt :/

      Liebe Grüße,
      Mareike

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  2. Liebe Mareike,

    ich bin dafür, dass deine beiden Kaninchen ab sofort deine Blog-Maskottchen werden - so etwas Goldiges! Ich möchte es am liebsten jedes Mal aus dem Rechner ziehen und kuscheln. :D

    Aber zum Inhaltlichen *räusper*...

    Schön, wieder einmal hier von dir eine Besprechung zu lesen bzw. sogar zwei. Und deine Worte zu "Jeder von uns ist ein Rätsel" haben sogar etwas ungewöhnliches geschafft: Das Buch hat mich bislang eigentlich null interessiert, dann kamen deine ersten Abschnitte dazu und ich wurde doch neugierig. Und obwohl dein Urteil kein 100%-ige Begeisterung war (oder auch deswegen?) habe ich nun doch Lust, das Buch einmal selbst zu lesen. Allerdings stimme ich dir schon jetzt zu, dass es schade ist bzw. auch ein falsches Signal, dass im Buch der Eindruck ensteht, nur jemand der körperlich/ psychisch "anders" ist, könne sich in jemanden verlieben, der/ die von der gesellschaftlichen Norm abweicht.

    Liebe Grüße und danke für deine Eindrücke!
    Kathrin

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    1. Liebe Kathrin!

      Nix da, die beiden bleiben bei mir :D Nein Spaß, ich möchte auch die ganze Zeit am Liebsten mit ihnen kuscheln (Auf Dauer sind sie allerdings nicht ganz so begeistert davon...).

      Und ich finde es total toll, dass ich diesen Effekt bei dir erzeugen konnte! (Habe ich etwa endlich herausgefunden, wie dieses influencen funktioniert? :D) Wenn du es lesen solltest, bin ich auf jeden Fall sehr auf deine Meinung gespannt :)

      Liebste Grüße,
      Mareike

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