Sammelrezension | Ungewöhnliche Liebesgeschichten


Vor nun schon einer Weile habe ich drei Romane gelesen, die wirklich besondere Liebesgeschichten betrachtet haben. Da ist ein junges Pärchen, das an einer seltenen frühen Form von Alzheimer erkrankt ist und die ihrer Umwelt zeigen, dass Liebe teilweise über die eigentlichen Erinnerungen hinausgehen kann. Und dann ist da dieser Mensch, der kaum altert und deswegen kaum in der Lage ist, sich auf andere fest einzulassen. Und dann sind da zwei komplett verschiedenen Charaktere, die sich wohl kaum je getroffen hätten...
Von den Büchern, hinter diesen Geschichten, möchte ich euch in diesem Post berichten.

36 Fragen an dich | Vicki Grant | Heyne fliegt | TB | 336 Seiten | 14,00€ | ❆❆❆

Klappentext
Hildy und Paul, beide 18, nehmen an einem psychologischen Experiment teil: die wissensdurstige, aber etwas chaotische Hildy aus Interesse und tausend anderen Gründen. Paul aus einem einzigen: weil er die Teilnahme bezahlt bekommt. Und so sitzen sich die beiden in einem kargen Universitäts-Raum gegenüber und stellen sich Fragen, die zwischen ihnen Liebe erzeugen sollen. Fragen, die zunächst scheinbar banal sind (»Wie sähe ein perfekter Tag für dich aus?«) und dann immer persönlicher werden (»Was ist deine schlimmste Erinnerung?«). Fragen, die Hildy im wahren Leben nie jemandem wie Paul stellen würde, dem gut aussehenden Typ, der sich für nichts und niemanden interessiert, am wenigsten für Hildy. Oder? 

Meine Meinung
Ich fand dieses Experiment - zwei Menschen stellen sich 36 Fragen, schauen sich vier Minuten tief in die Augen und verlieben sich darüber - schon immer richtig spannend und faszinierend. Tatsächlich hätte ich richtig Lust darauf, das selbst einmal auszuprobieren, weil ich es mir einfach noch immer nicht so richtig vorstellen kann, dass das klappt. Auf jeden Fall war ich ziemlich daran interessiert, wie dieses Experiment in einem Roman umgesetzt werden könnte. Die Geschichte von Hildy und Paul war nett. Die beiden sind zwei Charaktere, mit denen ich mich bis zu einem bestimmten Punkt auf ihre Weise nachvollziehen konnte, allerdings war mir in ihren Hintergrundgeschichten doch jeweils ein bisschen zu viel Klischee eingebaut. Ich mochte es, dass das Buch überwiegend einfach aus dem Dialog der beiden besteht, sodass man sich nicht von unnötigen Beschreibungen etc. ablenken lassen muss. Allerdings blieb mir die Handlung an vielen Stellen einfach zu oberflächlich. Die Nebencharaktere mischen sich immer wieder ein, aber ohne in meinen Augen einen wirklich Grund zu haben. Und allgemein war mir sowohl Schreibstil, Handlung, Charaktere, ... das alles war mir einfach nicht genug.
Fazit
Gute Ansätze, und an sich ein interessantes Thema, aber leider die eine oder andere Schwachstelle. An dem Buch ist nichts so richtig schlecht, aber einfach alles ziemliches Mittelmaß.

❆❆❆



Wie man die Zeit anhält | Matt Haig | der Hörverlag | Hörbuch | 571 Minuten | 15,79€ | ❆❆❆❆❆

Klappentext
Tom Hazard ist Geschichtslehrer, ein introvertierter Mann, der ein zurückgezogenes Leben führt. Und er hat ein Geheimnis: Er sieht aus wie 40, ist aber in Wirklichkeit über 400 Jahre alt. Er hat die Elisabethanische Ära in England, die Expeditionen von Captain Cook in der Südsee, das Paris der 20er Jahre erlebt und alle paar Jahre eine neue Identität angenommen. Aber eines war er immer: einsam. Seine einzige große Liebe endete schmerzvoll. Doch dann begegnet er der Französischlehrerin Camille. Während er ihr allmählich näher kommt, verändert sich für ihn alles ... 

Meine Meinung
Ich liebe Matt Haig. Seine Vorstellungskraft, seine Metaphern, sein ganzer Schreibstil, kombiniert mit tiefgründigen, vielseitigen Charakteren, all das macht für mich eine wirklich gute Geschichte aus. Die Bücher, die ich bisher von ihm gelesen habe, sind eigentlich sehr stille, ohne unglaublich viel Handlung. Man merkt aber, wie aktiv das Innenleben der einzelnen Figuren ist, selbst wenn die Geschichte nicht aus ihrer Perspektive geschildert wird. Allein das zu schaffen, ist für mich eine große Kunst.
Auch Wie man die Zeit anhält hat mich wieder einmal nachhaltig beeindruckt. Es geht um Tom, der kaum altert und so schon mehrere Jahrhunderte überlebt hat. In dieser Zeit hat er natürlich schon viel gesehen und erlebt und all das beeinflusst seinen Charakter unglaublich stark. Vor allem hat er gelernt, dass er nicht lieben darf, denn seine Geliebten werden natürlich wesentlich schneller älter und das stellt in den verschiedenen Epochen seines Seins durchaus ein Problem dar. Als er dann in der heutigen Zeit wieder jemanden kennenlernt, befindet er sich schnell in einem Zwiespalt.
Dieses Buch ist so vielseitig, gut durchdacht und strukturiert. Es hat etwas von Zeitreise-, zeitgenössischem und Fantasyroman. Eine nicht ganz gewöhnliche Kombi, aber auf hervorragende Weise umgesetzt.
Fazit
Ein großartiges Buch über die Bedeutung der Liebe, des Lebens und des Menschen als Individuum. Ganz starke Leseempfehlung an alle!

❆❆❆❆❆



Anna Forster erinnert sich an die Liebe | Sally Hepworth | Blanvalet | 384 Seiten | 20,00€ | ❆❆❆❆

Klappentext
Anna Forster ist erst achtunddreißig, als sie die erschütternde Diagnose Alzheimer erhält. Sie weiß, dass ihr Zwillingsbruder Jack nur ihr Bestes will, und dennoch tut es weh, als er ihr vorschlägt, in ein betreutes Wohnheim zu ziehen. Sie weiß außerdem, dass in der Einrichtung nur eine weitere Person in ihrem Alter lebt – Luke, mit dem sie so viel mehr verbindet als mit allen anderen Menschen, die sie kennt. Anna und Luke verlieben sich ineinander, doch nach einem tragischen Vorfall setzen ihre Familien alles daran, die beiden zu trennen. Nur eine Person kann dem Liebespaar helfen: die Köchin Eve, die selbst einen schweren Schicksalsschlag verkraften musste. Doch ist sie bereit, alles für Anna und Luke aufs Spiel zu setzen? 

Meine Meinung
Wie ihr hin und wieder merkt, mag ich Sick Lit sehr gerne, v.a. seitdem ich mit meinem Medizinstudium begonnen habe. Da ich besonders an Neurologie interessiert bin, finde ich Bücher toll, die sich mit Themen aus diesem Gebiet befassen. 
Alzheimer und Demenz sind Krankheiten, die furchtbar sind. Ich könnte mir nicht vorstellen, wie es ist, seine Erinnerungen und auch die damit verknüpften Emotionen und Menschen zu vergessen. Doch genau dem muss sich Anna stellen. Schon in jungen Jahren erkrankt sie und muss schon bald in ein Pflegeheim ziehen. Hier lernt sie Luke kennen, dem es genau wie ihr geht. Luke und Anna werden ein wirklich ungewöhnliches Liebespaar und zeigen, dass selbst wenn Erinnerungen verloren gehen, bestimmte unterbewusste Zuneigungen überleben können.
Mir hat Annas Geschichte wirklich gut gefallen. Der Schreibstil der Autorin ist leicht und angenehm, ohne das es nicht mit dem nötigen Ernst an die Sache heran geht. Auch andere problematische Themen werden angesprochen und das ohne, dass das Buch damit überladen wirkt. Das mochte ich sehr. Nicht ganz die volle Punktzahl bekommt es allerdings deswegen, weil es nicht für mich heraussticht und weil einige Reaktionen von Charakteren für mich relativ unrealistisch wirken.
Fazit
Ein angenehmer Schreibstil, eine wirklich schöne Geschichte und nur wenige kleine Dinge, die fr mich Abzüge bedeuten. Alles in allem ein wirklich schönes leichtes Buch, über ein Thema, das gar nicht mal so leicht ist.

❆❆❆❆


Vielen Dank an Heyne fliegt, Blanvalet und der Hörverlag für diese Rezensionsexemplare!

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